Bienenblog 3: „Die Varroa“ oder „Der Bienenblutsauger“

3. „Die Varroa“ oder „Der Bienenblutsauger“

Liebe Bieneninteressierte und Freunde des Campusgartens,

die Zeit in der die Bienen Nektar und Pollen eintragen, neigt sich dem Ende zu und daher kam Mitte Juli Post vom Veterinäramt: Es wird Zeit für die Varroabehandlung. Was aber ist eine Varroabehandlung? Und was hat das Veterinäramt damit zu tun? Das sind die beiden Fragen denen wir heute nachgehen wollen.

Wenn man Bienen hält, ist es empfehlenswert eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Als Hobbyimker ist man hierzu aber nicht verpflichtet. Verpflichtet ist man nur dazu die Bienen und ihren Standort beim Veterinäramt zu melden. Das ist sehr sinnvoll, da das Veterinäramt nämlich bei ggf auftretenden Bienenseuchen im Umfeld die notwendigen Schritte vornehmen kann, um eine Ausbreitung zu vermeiden. Daher koordiniert das Veterinäramt auch den für die Imker im Umkreis einheitlichen Zeitraum in der die Varroabehandlung stattfindet.

Aber nun zur Milbe Varroa destructor selbst. Sie wurde vor ca 40 Jahren aus Asien eingeschleppt. Das ist auch schon das Problem: Asiatische Bienen sind an die Varroa gewöhnt und können sich wirkungsvoll gegen sie wehren. Den europäischen Bienen ist das (noch) nicht möglich und sie benötigen daher unsere Hilfe als Imker. Denn auch wenn sie ein kleiner Parasit ist, ist sie eine ernstzunehmende Bedrohung für die Bienen: Sie sitzt auf den Bienen und saugt diese zur eigenen Ernährung aus. Hierzu bohrt sie sich meist am „gestreiften“ Hinterleib der Biene. Jegliches Putzverhalten der Biene selbst hilft nicht dabei die Varroa abzuschütteln. Sie vermehrt sich innerhalb der Brutwaben des Bienenstocks. Zunächst frisst die Varroa den Nahrungsvorrat der sich noch entwickelnden Biene auf, saugt schließlich an ihr selbst und legt Eier für die eigene Vermehrung ab. Die Folge sind Bienen, die ihren Aufgaben nicht mehr effizient nachgehen können, indem sie z.B. als Ammenbienen weniger Futtersaft produzieren können oder allgemein die Flügel deformiert sind. Somit können die Bienen nicht rausfliegen und Nektar sowie Blütenpollen sammeln. Das Ergebnis liegt auf der Hand: Das Bienenvolk ist krank, kann sich nicht gut vermehren und kollabiert. Das wollen wir als Imker natürlich verhindern!

Man darf aber nicht vergessen: Seit der Einschleppung der Varroa gibt es diese in allen Bienenvölkern. Ziel ist es lediglich, dass die Varroamilbe nicht übermächtig wird und das Bienenvolk auslöscht. Hierzu haben wir schon öfter im Jahr Drohnenbrut „geschnitten“. Das bedeutet, dass wir die Drohnenbrut aus dem Drohnenrahmen (ein Rähmchen, in dem sich nur Drohnenbrut befindet) ausgeschnitten, eingefroren und anschließend eingeschmolzen haben. Das tötet zwar die heranwachsenden Drohnen, aber ist wegen der nicht übermäßig hohen Bedeutung der Drohnen für das Bienenvolk noch akzeptabel. Über den Stellenwert der Drohnen (männliche Bienen) für das Bienenvolk findet ihr mehr Informationen im letzten Blogeintrag. Das „schneiden“ der Drohnenbrut tötet nicht nur die Drohnenlarven, sondern auch die Varroamilbe, die sich vorzugsweise in Brutzellen der Drohnen vermehrt.

Das ist ein erster Schritt, um gegen den kleinen Bienenblutsauger vorzugehen. Mit dem Brief des Veterinäramts beginnt jedoch die Behandlung mit Ameisensäure. Diese erfolgt in mehreren Zyklen. Zwischendurch wird immer die Anzahl der „gefallenen“ Milben gezählt, d.h. die Anzahl der durch die Behandlung getöteten und daher heruntergefallenen Milben. Damit ist nachvollziehbar, ob die Behandlung anschlägt. Bei unseren Völkern haben wir hierzu mit einem Verdunster gearbeitet. Dabei wird die Ameisensäure in ein horizontalliegendes Gefäß gefüllt. Stetig gelangt diese über Dochte auf ein Tuch und verdunstet. Ameisensäure schadet der Varroa, aber nach bisherigem Kenntnisstand nicht der Biene. Generell gilt aber: Wenn die Behandlung mit Ameisensäure startet, darf in dem Imkerjahr kein Honig mehr geerntet werden. Ihr müsst euch also keine Sorgen machen, dass ihr Ameisensäure auf eurem Honigbrot habt 😉.

Das war heute mal wieder ein ernstes Thema, das aber grundlegend ist, um die Imkerei und den Umgang mit den Bienen zu verstehen 😊. Ich hoffe, dass es trotzdem ein einigermaßen kurzweiliger Blogeintrag war!

Euer Bienen- Team vom Campusgarten

P.S. Nicht vergessen: Nachfragen, aber auch Lob, Kritik und Anregungen sind gerne gesehen!

Die fachlichen Informationen stammen aus den Büchern „Imkern als Hobby: Der Weg zum eigenen Bienenvolk“ von Sebastian Spiewok bzw „Bienen Basics“ von Sandra und Armin Bielmeier und/ oder von Erzählungen von Ana und Steffen. Sie sind nach bestem Wissen zusammengestellt. Sollte es doch mal einen Fehler geben, bitten wir um Nachsicht. Wenn Sie uns darauf aufmerksam machen, freuen wir uns die Fehlinformation berichtigen zu können!

Weitere Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Varroamilbe

Varroa-Weibchen Das Varroa- Weibchen (vergrößert) (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Varroamilbe)

 

Abmessen der AmeisensäureAbmessen der Ameisensäure

 

Zufüttern der ZuckerwatteZufütterung von Zuckerwasser nach der Varroabehandlung als Vorrat für den Winter

 

Gefallene Milben Zählen der „gefallenen“ (und damit toten) Milben, die sich aus den Waben auf dem darunterliegenden Brett sammeln. So kontrolliert der Imker wie stark sich die Varroa in dem Volk ausgebreitet hat