Bienenblog 2: Wenn ein Volk buckelbrütig ist…

2. Neuigkeiten vom Bienenvolk…

Wenn ein Volk buckelbrütig ist …

Liebe Bieneninteressierte und Freunde des Campusgartens,

schon seit einer Weile gab es keinen neuen Eintrag mehr im Blog und daher wird es höchste Zeit sich zu melden. Bei unseren Bienen ist Einiges passiert:

Eins unserer Völker war bückelbrütig. Das bedeutet, dass die Königin nur noch Eier gelegt hat, aus denen Drohnen, d.h. männliche Bienen, schlüpfen. Drohnenzellen sind in der Verpuppungsphase „buckelig“. Dem verdankt die Krankheit ihren Namen. Ihre Aufgabe der Drohnen besteht darin in der Schwarmzeit, d.h. die Zeit in der das Volk sich vermehrt (ca. April bis August) jeden Nachmittag aus dem Stock zu fliegen und an Drohnensammelplätzen gemeinsam mit anderen Drohnen auf eine unbegattete Königin auf ihrem Hochzeitsflug zu hoffen. Finden sie eine, dann begatten sie sie, geben so das Erbgut ihres eigenen Stockes weiter und sterben anschließend. Diese wichtige Aufgabe ich allerdings das Einzige, was Drohnen beitragen.

Wichtig für den Fortbestand des Bienenvolkes ist vor allem die Arbeiterin (weibliche Biene). Im Sommer lebt sie nur ca vier bis sechs Wochen und im Winter sogar bis zu sechs Monaten. Dabei durchläuft sie- je nach Bedarf im Stock- verschiedene Stadien der Arbeitsteilung- hier vereinfacht für die Sommerbiene dargestellt: In den ersten drei Tagen nach dem Schlüpfen putzen sie Wabenzellen, zwischen dem fünften und sechsten Tag füttern sie die ältere Brut mit einem Honig- Pollengemisch und nach sechs bis zwölf Tagen füttern sie die junge Brut und die Königin mit Futtersaft (Gelée Royal). Ab dem zwölften Tag übernehmen sie für ca zehn Tage den Wabenbau, nehmen den Sammlerinnen Nektar ab und verarbeiten ihn. Auch bewachen sie das Flugloch vor Eindringlingen (z.B. Bienen eines anderen Volkes). Erst danach beteiligen sie sich an den Sammelflügen und tragen Pollen und Nektar ein- also das, was man typischerweise über die Aufgaben einer Biene denkt 😉.

Aber warum hat die Königin nur noch Eier gelegt aus denen Drohnen schlüpfen? Eier aus denen Drohnen schlüpfen sind unbefruchtete Eier. Entsprechend sind die Eier aus denen Arbeiterinnen entstehen befruchtete Eier. Zur Befruchtung der Eier verwendet die Königin Eier aus ihrer Samenblase. Als noch unbegattete Königin fliegt sie nur wenige Male aus dem Stock und wird von Drohnen begattet (s.o.). Die Spermien der Drohnen speichert sie in ihrer Samenblase. Diese müssen für ihr gesamtes drei- bis fünfjährigen Leben ausreichen an denen sie bis zu 2.000 Eier (!) am Tag legt. In der Regel funktioniert das auch. Bei unserer Königin war die Samenblase aus unbekannten Gründen schon nach nur einem Jahr leer. Der Grund dafür ist unklar. Möglicherweise hat sie nicht genug Drohnen auf ihrem Hochzeitsflug getroffen. Daher konnte sie nur noch unbefruchtete Eier legen. Wie man sich schnell denken kann, führt das Fehlen von Nachwuchs bei den Arbeiterinnen auf Dauer zum Kollaps des Bienenvolkes. Eine Königin, die nur noch unbefruchtete Eier legt, ist daher ein ernstes Problem! Deshalb haben wir versucht dem Volk zu helfen. Im zweiten Anlauf konnten wir ihnen auch eine gezüchtete, bereits begattete Königin zusetzen. Diese hat uns der Imkerverein gegeben. Sie kommt in einem kleinen Käfig gemeinsam mit einem „Hofstaat“, d.h. einigen Arbeiterinnen, die sich um sie kümmern. Zunächst bleibt sie im Käfig und wird in den Stock gehängt. Wenn sich die Bienen aus dem Stock an die Königin gewöhnt haben, öffnet man den Käfig und die Bienen fressen eine Futterschicht frei um zur Königin und ihrem „Hofstaat“ zu gelangen. Glücklicherweise hat das Volk die Königin akzeptiert und entwickelt sich gut. Das Problem konnte also gelöst werden und es geht unseren Mädels wieder gut 😊.

Nach diesen Problemen, die ich aber dennoch sehr spannend finde, da man viel über die Bienen lernen kann, nun zu einem überraschenden, aber daher umso positiveren Ereignis: Wir konnten doch schon in diesem Jahr unseren ersten „Grüne Beete- Honig“ ernten 😊. Wir haben uns am Garten getroffen und einige Honigwaben entnommen. Der Honig in den Wabenzellen ist mit einer Wachsschicht verdeckelt. Bei Steffen zu Hause haben wir mit einer Entdeckelungsgabel die Wachsdeckel von den Zellen an beiden Seiten der Wabe geöffnet. Anschließend wurden die Waben geschleudert und der Honig mittels der Zentrifugalkraft aus den Zellen gedrückt. Der herauslaufende Honig wurde zunächst gröber und dann feiner gesiebt, um beispielsweise Wachsreste zu entfernen. Einige Wochen später war der Honig kristallisiert und wir konnten ihn in Gläser abfüllen. Die Honigernte ist ein wirklich tolles Erlebnis und den eigenen Honig frisch auf dem Brot zu essen ein tolles Gefühl, das mich persönlich sehr stolz und glücklich über die Arbeit mit den Bienen macht.

Euer Bienen- Team vom Campusgarten

P.S. Auch diesmal sind Nachfragen, aber auch Lob, Kritik und Anregungen gerne gesehen!

Die fachlichen Informationen stammen aus den Büchern „Imkern als Hobby: Der Weg zum eigenen Bienenvolk“ von Sebastian Spiewok bzw „Bienen Basics“ von Sandra und Armin Bielmeier und/ oder von Erzählungen von Steffen und Ana. Sie sind nach bestem Wissen zusammengestellt. Sollte es doch mal einen Fehler geben, bitten wir um Nachsicht. Wenn Sie uns darauf aufmerksam machen, freuen wir uns die Fehlinformation berichtigen zu können!

Zusätzliche Quellen:

http://www.bienenzuchtverein-merkstein.de/index.php?option=com_content&view=article&id=47:buckelbrut&catid=3:begriffe&Itemid=18

https://de.wikipedia.org/wiki/Drohn

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